Ich wurde heute anlässlich eines Pittiplatsch-Hörspiels (!) gefragt, was ein Kavalier ist. Als ich das versuchte, so anschaulich wie möglich zu beschreiben und mit solchen Beispielen wie „Hebt einer Frau das Taschentuch hoch, hält ihr die Tür auf, hilft ihr in den Mantel“ usw. kam, wurde ich mit der unweigerlichen Frage nach dem Warum konfrontiert. Und überlegte erstmal. Denn spontan fiel mir kein triftiger Grund ein, warum einer Frau von einem Mann dabei geholfen werden müsste, also spekulierte ich drauf los.

Ich kann mir gut vorstellen, dass solches Verhalten mal wirklich nötig war als die Frauen aus modischen Gründen zur fast völligen Bewegungsunfähigkeit getriezt wurden bzw. sich dazu triezten (Mh, Mode verdeutlicht eigentlich prima das jeweils aktuelle Ideal von einer Frau, oder?). Als ich später mal nachschaute, konnte ich erfahren, dass der Begriff des Kavaliers in seiner heutigen Bedeutung während des Barock entstand, einer Zeit, in der Dank Korsett und Reifrock das Bücken nach einem heruntergefallenen Gegenstand oder das Öffnen einer Tür wahrscheinlich größere Hindernisse dargestellt haben dürften. Besonders aufschlussreich, was hier über Frauenkleidung am französischen Hofe während des Rokoko steht.

Das heißt dann ja, dass der Kavalier ohne sein Konterpart, die bewegungsunfähige und recht passive Dame nicht vorstellbar ist und die von einem Mann für die Frau aufgehaltene Tür heute damit wirklich eine in ihrem ursprünglichen Sinne inhaltsleer gewordenen Geste ist, die nur noch Symbolcharakter hat. Das, was sie noch ausdrücken kann, also vielleicht Höflichkeit oder Zuvorkommen, kann auch geschlechtsunabhängig gezeigt werden. Aber das macht dann den Begriff irgendwie überflüssig.

In der Geschichte mit Pittiplatsch spielte es sich jedenfalls so ab, dass erst Schnatterinchen und gleich danach Moppi vor einem vermeintlichen Gespenst wegliefen, das sie eigentlich zu dritt verjagen wollten. Moppi, zur Rede gestellt von Pittiplatsch, erwiderte dann, dass er nur hinterher gerannt sei, weil er Schatterinchen ja nicht allein lassen könne und beschützen müsse, so als Kavalier :)