Ich streife hier ein bisschen das Christentum und auch Israel. Aber eigentlich geht es nur um ein Lied.

Diese Band besteht also laut last.fm aus bekennenden Christen und das zeigt sich auch in ihren Texten. Und ich weiß einfach nicht, wie ich das finden soll. Meine Zwiespältigkeit entsteht dadurch, dass sie einerseits etwas in mir ansprechen, was ich tatsächlich auch im Zusammenhang mit (evangelischer) Kirche erfahren habe, nämlich sie lösen ein Gefühl von Zuversicht und Optimismus aus, sie scheinen zu vermitteln, dass es sich lohnt, Hindernisse anzugehen und sie gemeinsam zu bewältigen. Auf der anderen Seite lässt sich die kirchliche Geschichte mit all ihren Schattenseiten echt nicht vernachlässigen. (Braucht man ja eigentlich nicht aufzählen, so geläufig ist das: systematische Verfolgung und Ermordung von Frauen als „Hexen“, Kreuzzüge, gewaltsame Missionierungen… Auch die Instrumentalisierung von Ängsten mit Hilfe der kirchlichen Moral zur Verfestigung der institutionellen Macht ist mir zuwider, ebenso der aktuelle Umgang mit den Missbrauchsfällen, die aktuelle Haltung zu Verhütung oder Abtreibung und ich könnte jetzt noch so ewig weitermachen.)

Nun gibt es ja etliche Formen, Christentum zu praktizieren und vermutlich ebenso viele Bewertungen der kirchlichen Geschichte und Gegenwart, ich überblicke das nicht. Aber ich weiß, dass wegen oben genanntem für mich selbst Christentum als ein Zugang zur Welt nicht in Frage kommt.

Die Band jedenfalls hat in ihrem Lied, einen Psalm zitiert, der sich auf das Volk Israel bezieht: „Das Volk, so übriggeblieben ist vom Schwert, hat Gnade gefunden in der Wüste“ Das ist Jeremia 31:2 und für mich Glatteis. Denn alles, was sich um Israel, seine Geschichte und seine heutige Bedeutung, seine Politik und die damit verbundenen Konflikte und das Verhältnis, das man mit deutscher Staatsbürgerschaft dazu haben kann oder nicht, dreht, all das ist zu komplex, als dass ich mich dazu positionieren könnte. Ich weiß zu wenig. Und deswegen kann ich nicht fröhlich bei Facebook oder Twitter oder irgendwo undifferenziert plappern, dass ich dieses Lied toll finde. Es bleibt zwiespältig.

Aber es berührt mich. Ich habe zu Musik von jeher eher einen emotionalen, denn intellektuellen oder fachlichen Zugang. Hier ist es so, dass das Gefühl, erschöpft und ausgezehrt am Boden zu liegen bei mir geweckt wird und dann diese Zeilen: „I will build you up again/you will be rebuilt“ so eine ermutigende Entschlossenheit, wieder aufzustehen vermitteln, dass es mich richtig umhaut. Und wie bei so vielen Liedern, die ich liebe, passen hier Inhalt und Form großartig zueinander. Es wird genau in den richtigen Momenten leiser, zaghafter und dann wieder heftiger, energischer. Als könnte keine Verzweiflung und keine Entkräftung zu schlimm sein, wenn es denn jemanden gibt, der willens und damit auch fähig ist, dir beim Aufrichten zu helfen. Ein schöner Gedanke.