Nachdem sich nun einigermaßen sicher herausgestellt hat, dass die Aufregung der letzten Wochen überstanden ist, jedenfalls die Aufregung, die die körperliche Ebene betrifft, bleibt ein bitterer Nachgeschmack dennoch erhalten und mündet in die leidliche Frage, ob ich zusätzlich noch anders verhüte.
Viele Hinweise gab es in den Kommentaren hier bei mir und auch die Autorin, die so mutig über ihre Abtreibung gebloggt hatte, greift nun auf die Pille zurück.

Das Angebot an Verhütungsmitteln ist erschlagend und bei allen Argumenten, die mir für oder gegen dies oder das einfallen, vermischen sich total viele Ebenen. Da gibt es die Praktikabilität, die irgendwie auch mit dem Lebenswandel zusammenhängt und die Wirkung, die das Mittel auf den Körper hat. Schließlich scheint dies aber auch ein ideologisch umkämpftes Feld zu sein. Allein, wenn ich wissen will, ob die Pille krebserhöhendes Risiko hat, kann ich Belege dafür und dagegen (siehe der letzte Satz dort) finden. Genauso sieht es mit Nebenwirkungen der Pille aus: Es gibt recht harmlose Beschreibungen und recht erschreckende. Das zeigt meiner Meinung nach, dass es hier um mehr geht, als medizinische Beweise.


Da eine systematische Betrachtung dieser Frage so aufwendig ist, gehe ich eben doch von meinem Standpunkt aus, also auch von meinen Erfahrungen und meinen Werten.
Alle hormonellen Verhütungsmittel sind dann nämlich schon mal ausgeschlossen. Zum Einen hatte ich jahrelang Zyklusstörungen mit und danach ohne Pille, es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis mein Körper einen eigenen Rhythmus entwickelt hatte. Und den kenne ich jetzt einigermaßen (würde ich genauer beobachten, würde ich ihn auch sehr gut kennen) und dieses fragile und inzwischen vertraute System möchte ich nicht verlieren. Zum Anderen geht es damit um die Macht über meinen Körper. Komisch, da kann ich bei einem Pharmakonzern lesen, die Pille hätte zur sexuellen Selbstbestimmtheit der Frau beigetragen, aber ich hatte das Gefühl, mir meinen Körper, meine Selbstbestimmtheit darüber wieder zurückholen zu müssen von der Pille.
Auf die Spitze trieb es da mal ein Frauenarzt, zu dem ich gegangen war, um rauszukriegen, wie ich denn noch ohne Hormone verhüten könne. Er zählte mir andere Pillensorten auf als die, die ich mal hatte und als ich sagte, dass ich aber wirklich gar keine Hormone nehmen wolle, auch keine anderen, da fragte er mich: „Ja, wie wollen Sie denn dann verhüten?“ Der Arztbesuch endete dann mit seinen erschreckenden Geschichten, die er auf einer Frauenkrebsstation erlebt hatte. Sollte wohl ein Pro-Pillen-Argument sein, aber das prallte völlig an mir ab. Wenn Ärzt_innen mich von irgendwas überzeugen wollen, indem sie mir Angst machen, sind sie sofort unten durch und ich höre nicht mehr zu.

Also keine Hormone. Bliebe noch die Kupferspirale oder -kette. Und die Frage, ob es den Aufwand wirklich nötig ist. Dass Wikipedia sagt, man wisse nicht, wie die Spirale eigentlich wirkt, finde ich doch ein wenig beunruhigend. Und ob die Regelschmerzen dann schlimmer werden oder nicht, ist wahrscheinlich auch bei jeder Frau anders und ich müsste es einfach probieren. Dagegen spricht, dass ich jetzt viele Jahre lang keine Pille nehme, meine gefährliche Zeit im Blick habe und seitdem nur einmal die Pille danach brauchte.

Wenn ich nun etwas mit wenig Aufwand (wenig Eingriff in körperliche Prozesse, wenig Geld) haben möchte, da ich eh nicht auf Kondome verzichte, fällt mir auf: Genau genommen habe ich, wenn ich in etwa weiß, wann bei mir die gefährliche Zeit ist, ein Mittel in der Hand. Denn diese Körperbeobachtungsmethoden funktionieren ja auch nach diesem Prinzip. Wenn ich dann einfach nur mal meine Beobachtungen aufschreibe, kann ich mein Handeln auch daran ausrichten. Witzigerweise gibt es sogar Online-Auswertungen, wie diese oder diese. Nur habe ich keine Erfahrungen damit.